Hoheitsabzeichen, Kennungen, Wartungshinweise, Startnummern: Erst die Decals machen aus einem lackierten Bausatz das Modell einer ganz bestimmten Maschine. Gleichzeitig sind sie für viele Modellbauer der heikelste Schritt. Ein Decal, das silbrig schimmert, Falten wirft oder schief sitzt, ruiniert den Gesamteindruck. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung und etwas Geduld gelingt das Decals aufbringen zuverlässig.
Was sind Decals überhaupt?
Decals (auch Nassschiebebilder oder Abziehbilder) bestehen aus einem hauchdünnen, bedruckten Lackfilm auf einem wasserlöslich beschichteten Trägerpapier. Im Wasser löst sich die Leimschicht, der Film lässt sich vom Papier auf das Modell schieben. Beim Trocknen haftet der Rest des Leims den Film an die Oberfläche.
Der transparente Teil des Films – der „Trägerfilm“ – ist das Hauptproblem: Liegt er auf einer rauen Oberfläche, bricht sich das Licht in winzigen Lufteinschlüssen, und der Rand schimmert silbern.
Die wichtigste Regel: Glänzender Untergrund
Matte Farben sind mikroskopisch rau. Genau dort entsteht das gefürchtete Silbern. Deshalb gilt:
- Modell fertig lackieren und gut durchtrocknen lassen.
- Die Stellen, an denen Decals sitzen sollen, mit glänzendem Klarlack überziehen – oder gleich das ganze Modell.
- Klarlack mindestens einen Tag trocknen lassen.
Nach dem Aufbringen der Decals wird das Modell wieder auf den gewünschten Glanzgrad gebracht, zum Beispiel mit mattem Klarlack. Mehr dazu im Ratgeber Klarlack im Modellbau.

Was du brauchst
- eine kleine Schale mit lauwarmem Wasser (ein Tropfen Spülmittel entspannt das Wasser),
- eine spitze Pinzette und ein weicher Pinsel,
- eine scharfe Schere oder ein Skalpell,
- Küchenpapier oder ein Wattestäbchen,
- optional Decal-Weichmacher und Decal-Fixierer (zum Beispiel aus den Systemen von Microscale, Revell oder Tamiya).
Schritt für Schritt
1. Decal ausschneiden
Schneide das Motiv möglichst eng aus – je weniger Trägerfilm, desto weniger Risiko für Silbern. Bei sehr kleinen Decals lässt du einen schmalen Rand stehen, damit du sie greifen kannst.
2. Kurz einweichen
Lege das Decal für 10 bis 30 Sekunden ins Wasser und nimm es dann heraus. Lass es auf einem Stück Küchenpapier liegen, bis sich der Film auf dem Papier verschieben lässt. Zu langes Einweichen spült den Leim weg – das Decal haftet dann schlechter.
3. Untergrund anfeuchten
Pinsel die Zielstelle mit etwas Wasser oder Decal-Fixierer an. So lässt sich das Decal noch verschieben und ausrichten.
4. Auf das Modell schieben
Halte das Papier direkt neben die Stelle und schiebe den Film mit dem Pinsel vom Papier herunter. Nicht das Decal mit der Pinzette greifen – es reißt leicht.
5. Ausrichten und andrücken
Richte das Decal mit dem feuchten Pinsel aus. Dann tupfst du Wasser und Luftblasen mit Küchenpapier oder einem Wattestäbchen von der Mitte nach außen ab. Nicht wischen!
6. Weichmacher bei Gravuren
Über Blechstößen, Nieten und Rundungen liegt das Decal oft wie eine Folie auf. Ein Decal-Weichmacher macht den Film kurzzeitig weich, sodass er sich in Gravuren legt. Danach das Decal nicht mehr berühren – es wirft zunächst Falten und glättet sich beim Trocknen von selbst.
Ein mit Weichmacher behandeltes Decal ist extrem empfindlich. Wer jetzt mit dem Pinsel korrigiert, zerreißt es. Geduld: Nach dem Trocknen sieht es meist perfekt aus.
7. Versiegeln
Nach dem Trocknen (am besten über Nacht) Leimreste mit einem feuchten Tuch abnehmen und das Modell mit Klarlack versiegeln. So schützt du die Decals und gleichst den Glanzgrad an.
Typische Probleme und Lösungen
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Rand schimmert silbern | matter Untergrund, Luft unter dem Film | vorher glänzend lackieren; nachträglich mit Skalpell anstechen und Weichmacher einziehen lassen |
| Decal zerfällt im Wasser | alte, spröde Decals | vorher mit Decal-Film oder Klarlack überziehen |
| Decal klebt nicht | zu lange eingeweicht | Fixierer oder verdünnten Weißleim unterlegen |
| Falten nach dem Trocknen | Gravur nicht ausgefüllt | erneut Weichmacher, Falten mit Skalpell anstechen |
| Weiß wirkt durchscheinend | dünner Druck | Fläche darunter weiß vorlackieren |
Tipps aus der Praxis
- Reihenfolge planen: Große Decals zuerst, kleine Wartungshinweise zum Schluss.
- Nicht alles auf einmal: Bei Flugzeugen erst eine Seite, dann trocknen lassen, dann das Modell drehen.
- Alte Bausätze: Decals aus Bausätzen, die Jahrzehnte im Schrank lagen, sind oft vergilbt oder spröde. Ein Test mit einem unwichtigen Decal zeigt, ob sie noch halten.
- Nachschub: Für viele Modelle gibt es Zubehör-Decalbögen mit alternativen Markierungen – eine schöne Geschenkidee für Fortgeschrittene.
Häufige Fragen
Brauche ich unbedingt Weichmacher?
Auf glatten Flächen nicht. Über Gravuren, Nieten und starken Rundungen sorgt er aber dafür, dass das Decal wie aufgemalt wirkt.
Kann ich Decals auch ohne Glanzlack aufbringen?
Auf glänzend lackierten Modellen (z. B. Autos) ja. Auf matten Tarnfarben riskierst du Silbern – hier ist eine glänzende Zwischenschicht sehr empfehlenswert.
Wie entferne ich ein falsch sitzendes Decal?
Solange es feucht ist, lässt es sich verschieben. Getrocknet hilft nur Klebeband (abziehen) oder vorsichtiges Abtragen mit Weichmacher und Wattestäbchen.
Glänzender Untergrund, kurzes Einweichen, vorsichtiges Schieben und Geduld beim Trocknen – mehr Geheimnis steckt nicht dahinter. Wer zusätzlich mit Weichmacher arbeitet und das Modell am Ende versiegelt, bekommt Decals, die wie aufgemalt wirken. Mehr Grundlagen findest du in Modellbau für Einsteiger.



