Viele Einsteiger überspringen sie, erfahrene Modellbauer schwören darauf: die Grundierung. Sie ist die unsichtbare Basis jeder guten Lackierung. Ein grundiertes Modell nimmt Farbe gleichmäßiger an, die Farbe haftet besser, und – oft unterschätzt – die Grundierung macht Fehler sichtbar, die man vorher übersehen hat. In diesem Ratgeber erfährst du, wann und wie du dein Modell grundierst.
Warum überhaupt grundieren?
- Haftung: Glatter Kunststoff, Resin und vor allem Metall nehmen Farbe schlecht an. Primer ist auf Haftung optimiert und bildet eine Brücke zwischen Material und Farbe.
- Einheitlicher Untergrund: Bausätze bestehen oft aus verschiedenfarbigem Kunststoff, dazu kommen Spachtelstellen. Eine Grundierung macht alles einfarbig – die Farbe darüber wirkt überall gleich.
- Fehlerkontrolle: Auf grauem Primer siehst du Kratzer, Nähte und Spachtelreste sofort. Besser jetzt nachschleifen als nach dem Lackieren.
- Farbwirkung: Helle Farben wie Gelb, Rot oder Weiß decken auf dunklem Kunststoff schlecht. Auf weißer Grundierung leuchten sie.
Welche Grundierung für welches Material?
| Material | Empfehlung |
|---|---|
| Polystyrol (Plastikbausatz) | Acryl-Primer oder Kunststoff-Grundierung aus der Dose |
| Resin (Gießharz) | vorher mit Spülmittel waschen (Trennmittel!), dann Primer |
| Metall (Ätzteile, Weißmetall) | Haftgrund speziell für Metall |
| Holz | Sperrgrund bzw. Schleifgrund, Poren füllen |
| Polycarbonat (RC-Karosserie) | keine Grundierung – spezielle Lexan-Farbe von innen |
Grau, Weiß oder Schwarz?
- Grau ist der Allrounder: neutral, zeigt Fehler gut, passt unter die meisten Farben.
- Weiß lässt helle und leuchtende Farben strahlen – ideal für Rennwagen, Zivilflugzeuge und Figuren mit hellen Tönen.
- Schwarz sorgt für Tiefe. Viele Figurenmaler und Panzerbauer arbeiten auf schwarzer Grundierung und setzen die Farbe von oben nach unten dünner auf („Zenital-Grundierung“ mit Weiß von oben).
- Rotbraun imitiert Rostschutzfarbe – eine schöne Basis für Alterungstechniken.
So gehst du vor
Vorbereitung
- Alle Teile entgraten, Nähte verspachteln und schleifen (siehe Klebenähte spachteln).
- Teile mit lauwarmem Wasser und einem Tropfen Spülmittel waschen. Fett von den Fingern und Schleifstaub verhindern Haftung.
- Gut trocknen lassen und nur noch mit Handschuhen oder an Haltestäbchen anfassen.
Mit der Sprühdose
- Dose mindestens eine Minute kräftig schütteln, idealerweise vorher in lauwarmem Wasser anwärmen.
- Aus 20 bis 30 cm Abstand in kurzen Stößen sprühen und dabei am Modell vorbei beginnen und enden.
- Lieber zwei dünne Schichten als eine dicke – dicke Schichten schließen Gravuren.
- Draußen oder bei weit geöffnetem Fenster arbeiten, bei Temperaturen ab etwa 15 Grad und niedriger Luftfeuchtigkeit.

Mit der Airbrush
Airbrush-Primer (zum Beispiel auf Polyurethan- oder Acrylbasis) lassen sich sehr fein auftragen. Meist werden sie unverdünnt mit einer 0,3- bis 0,5-mm-Düse und etwas höherem Druck gesprüht. Die Pistole danach sofort reinigen – Primer trocknet schnell an. Mehr dazu in Airbrush reinigen.
Mit dem Pinsel
Für kleine Teile oder Ausbesserungen geht es auch mit dem Pinsel. Verwende einen weichen Flachpinsel und eine dünnflüssige Pinsel-Grundierung, sonst bleiben Streifen.
Auch wenn sich die Oberfläche nach einer Stunde trocken anfühlt: Lass die Grundierung mindestens über Nacht aushärten, bevor du abklebst oder Farbe aufträgst. Sonst reißt das Abdeckband die Grundierung mit ab.
Typische Fehler
- „Orangenhaut“ oder Körnung: Zu großer Abstand oder zu kalte Dose – die Farbe trocknet in der Luft an.
- Läufer: Zu nah oder zu lange auf eine Stelle gesprüht. Trocknen lassen, abschleifen, neu grundieren.
- Zugelaufene Details: Zu dicke Schicht. Feine Gravuren mit einer Nadel nachziehen.
Häufige Fragen
Muss ich jedes Plastikmodell grundieren?
Nicht zwingend. Viele Acrylfarben haften auch direkt auf sauberem Polystyrol. Grundierung lohnt sich aber fast immer – vor allem bei hellen Farben, Resin, Metall und gespachtelten Stellen.
Kann ich Autogrundierung aus dem Baumarkt verwenden?
Oft ja – teste aber vorher an einem Gussast, ob das Lösungsmittel den Kunststoff angreift. Modellbau-Primer sind feiner und auf Polystyrol abgestimmt.
Wie lange muss Grundierung trocknen?
Acryl-Primer sind nach kurzer Zeit grifffest, sollten aber über Nacht durchtrocknen. Lösemittelhaltige Primer brauchen teils länger – Herstellerangaben beachten.
Eine dünne, gleichmäßige Grundierung ist der einfachste Weg zu besseren Lackierungen. Grau ist der Allrounder, Weiß bringt helle Farben zum Leuchten, Schwarz gibt Tiefe. Entscheidend sind Sauberkeit, dünne Schichten und genug Trocknungszeit. Weiter geht es mit Modellbau-Farben.



